Medizin und Pharmazie
Kein unmögliches Studium!?
Am Montag stellten Dr. Ulrich Breit von der Löwen-Apotheke in der Schwäbisch Haller Altstadt sowie Miriam Zoller aus dem Schwäbisch Haller Diak die Studiengänge Pharmazie und Medizin am Erasmus-Widmann-Gymnasium für interessierte Schülerinnen und Schüler vor – mit einer überraschenden Erkenntnis.
Wer Medizin oder Pharmazie studieren will, muss mindestens ein 1,0-Abitur haben! Nur wer begabt in den Naturwissenschaften ist, kann sich in diesen Studiengängen behaupten! Solche Aussagen schrecken viele Schülerinnen und Schüler von der Aufnahme des Medizinstudiums ab. Die Beauftragte für Beruf, Studium und Ausbildung am Erasmus-Widmann-Gymnasium sowie Gemeinderätin Andrea Härterich organisierte zusammen mit dem Berufsberater für akademische Berufe an der Agentur für Arbeit Schwäbisch Hall, Richard Seubert, und dem Rektor des Gymnasium bei St. Michael, Thomas Preisendanz die Vorstellung der Studiengänge nicht zuletzt auch, um mit solchen entmutigenden Vorurteilen aufzuräumen und die Schülerinnen und Schüler für ein Medizin- oder Pharmazie-Studium zu begeistern. Das ist ihnen mit den Referenten Dr. Ulrich Breit und Miriam Zoller auch gelungen.
Mediziner genauso wie Pharmazeuten werden in den nächsten Jahren dringend gesucht. Richard Seubert berichtigte das Vorurteil, dass nur 1,0-Abiturienten Medizin studieren dürfen. Zwar sind 20% der Studienplätze für die besten Abiturienten vorgesehen, jedoch werden die restlichen 80% nach unterschiedlichen Kriterien auf die verschiedenen Universitäten aufgeteilt. Wer wartet, kann spätestens nach fünf Jahren mit einem Studienplatz rechnen. Diese Wartezeit ist allerdings der Extremfall. Seine Chancen kann man als Interessierter durch einen freiwilligen Test und durch Praktikas verbessern.
Nachdem die Bedingungen für die Aufnahme eines Medizinstudiums von Richard Seubert geklärt worden sind, stellte Miriam Zoller den Ablauf und den Alltag eines Medizinstudiums vor. Miriam Zoller räumte mit dem Vorurteil auf, dass man ein NWT-»Crack« sein muss, um Medizin studieren zu können. Lücken im naturwissenschaftlichen Wissen, in Physik, Chemie oder Biologie kann man durchaus nachholen. Das Wichtigste ist laut Miriam und auch Ulrich Breit das Interesse und der Durchhaltewille. Wer ein erfolgreiches Medizin- oder Pharmaziestudium hinter sich bringen will, braucht demnach Geduld, Ausdauer und Fleiß. Für das stupide Auswendiglernen der 30.000 Ankreuzfragen im sogenannten »Hammerexamen« (Zweites Staatsexamen) ist keine besondere Begabung, sondern eben Fleiß und Ausdauer gefragt. Neben diesem "Hammerexamen" ist vor allem der Beginn des Medizinstudiums von nächtelangem Auswendiglernen von anatomischem, physiologischem, soziologischem und auch psychologischem Wissen geprägt, dessen Nützlichkeit sich allerdings erst später erweist. Interessant wird das Studium nach dem Bestehen des sogenannten Physikums (Erstes Staatsexamen), dann wird die rein theoretische Ebene des Studiums verlassen und der Student kann sein Wissen praktisch im sogenannten »bed-side-learning«, direkt am Krankenbett anwenden. Nach ungefähr 12 Jahren erfolgt dann der Einstieg ins Berufsleben, der allerdings zuvor durch die Praktikas gut vorbereitet wurde.
Der anschließende lockere Vortrag von Richard Seubert führte kurz und übersichtlich durch das Pharmazie-Studium. Wie das Medizin-Studium ist das Pharmazie-Studium zu Beginn geprägt von der Aneignung eines naturwissenschaftlich-theoretischen Basiswissens. Die zentrale Aufgabe des Pharmazeuten ist nach Richard Seubert die Umwandlung von einem chemischen Rohstoff zu einem pharmazeutischen Wirkstoff. Auch der Apotheker muss dazu in der Lage sein, da er die ganzen von der Industrie hergestellten Wirkstoffe bei Eingang in die Apotheke prüfen muss, bevor er sie verkaufen darf. Der Apotheker stellt jedoch nur einer von vielen Berufen dar, dem sich der Pharmazeut zuwenden kann. Ein großer Teil der Pharmazeutiker sind natürlich in der Pharmaindustrie beschäftigt, in der vor allem Managerqualitäten gefragt sind.
Am Ende wurde durch Fragen aus dem Publikum ein entscheidender Unterschied im Medizin- und Pharmaziestudium deutlich: Der Doktortitel. Im Medizinstudium ist er nicht unbedingt ein Zeichen von Qualität und kann auch während des Studiums absolviert werden. In der Pharmazie muss man dagegen nach dem Studium nochmals vier Jahre und damit einige Zusatzarbeit einplanen, um den Doktortitel zu erhalten.
Nach diesen ansprechenden Vorträgen bleibt die Erkenntnis, dass ein Medizin- und Pharmaziestudium kein unmögliches Unterfangen ist, wenn man den entsprechenden Willen, das Interesse und den Fleiß dafür mitbringt. Die Begabung kommt dann mit dem Interesse.
Nikolai Häußermann

