Jugend diskutiert mit …
… Europaabgeordneter Evelyne Gebhardt
Gleichstellungspolitik in der heutigen Zeit - können wir damit zufrieden sein?
Den Einstieg der Veranstaltung machten Malte L. und Karoline L. mit einem kleinen Rollenspiel, das die typisch klischeehafte Rollenverteilung in einem deutschen Haushalt darstellte. Dann stellten die Organisatoren Julian V., Johannes L. und Daniel K. die Europaparlamentsabgeordnete Evelyne Gebhardt vor. Diese hielt vor einem Publikum aus Schülerinnen und Schülern und Lehrkräften des EWG sowie Gästen aus dem Gymnasium bei St. Michael einen Vortrag über die Gleichstellungspolitik heute. Sie erzählte, dass sie in Paris aufgewachsen ist und später nach Deutschland kam, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern.
Duch das sehr unterschiedliche Leben von Frauen in Deutschland und Frankreich beschäftigte sie sich intensiv mit Gleichstellungspolitik und machte auf Grund der völlig anderen Kultur viele prägende Erfahrungen. Eine dieser Erfahrungen war die Bekanntschaft mit dem Wort »Rabenmutter«, für das es im Französischen keine Übersetzung und auch keinerlei Verständnis gegeben habe. In Frankreich sei es schon damals normal gewesen, dass eine Frau Mutter war und trotzdem Karriere machen konnte. In Deutschland wurde das noch an den Pranger gestellt. Evelyne Gebhardt berichtete kurz über die Entwicklung der Gleichberechtigung von Mann und Frau an Hand einiger Beispiele. Für sie geht der entscheidende Weg zur Gleichberechtigung nur über die Quote. Auf ihren sehr persönlich gestalteten Vortrag folgte eine lebendige Diskussion. Auch hier stand noch einmal die Quote im Mittelpunkt. Und natürlich ging es um die Frage, ob wir die Gleichberechtigung in Deutschland schon erreicht haben oder inwieweit sie noch umgesetzt werden muss. Deutlich wurde, dass die Arbeit vorallem »in den Köpfen« geleistet werden muss. Einige Schüleinnen und Schüler waren der Meinung, dass die Jugend hier schon weit fortgeschritten sei. Viele Jugendliche fühlen sich gleichberechtigt. So berichtete ein Schüler, dass von 30 Schülerinnen und Schülern, die ein Jahr ins Ausland gingen, 27 Mädchen waren. Daraus lässt sich schlussfolgern, dass wir uns auf einem guten Weg befinden und das Selbstbewusstsein der Frau steigt. Wenn man aber an fehlende Krippenplätze, die Gesundheitspolitik, »Familie« und ungleiche Bezahlung im Beruf denkt, ist die Quote jetzt jedoch noch wichtig, um Gleichberechtigung schneller zu erreichen. Mit einem großen Blumenstrauß und einer Flasche Wein - warum sollen immer nur Männer Wein bekommen? - bedankten sich die Organisatoren unter großem Aplaus bei Evelyne Gebhardt.
Jugend diskutiert ist eine jährliche Veranstaltung der SMV, um aktuelle Themen mit interessanten Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und anderen Bereichen zu diskutieren.
Hannah Herrmann

