In 80 Tagen um die Welt

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Das Mittelstufen- und Tanztheater des Erasmus-Widmann-Gymnasiums unter der Spielleitung von Britta Lübke inszenierte am 13. und 14. Juli in der Aula die phantastische Weltreise des englischen Aristokraten Phileas Fogg, nach Jules Vernes Romanvorlage In achtzig Tagen um die Welt

In den beiden Auftaktszenen wird der Zuschauer mitgenommen in die obere Gesellschaft Londons des ausgehenden 19. Jhdt. und lernt die Hauptfigur Phileas Fogg (Jan Karadavut) in seiner ganzen aristokratischen Steifheit und Pedanterie kennen. Seine Erbsenzählerei – hier wörtlich zu verstehen – veranlasst seinen alten Butler James (Kolja Veit) zur Kündigung und bringt einen neuen französischen Kammerdiener auf die Bühne: Passepartout (Simon Sander). Der Name ist gleichzeitig Programm: Ein Diener, der in seiner Genauigkeit bestens zu ihm passt und ihm fortan kaum noch von der Seite weicht. Während einer an Oberfläch-lichkeit kaum zu überbietenden Teegesellschaft bei Lady Ensworth (Charlotte Bühler) erfährt man von dem Direktor der Bank of England (Simon Sander) so nebenbei, dass seine Bank überfallen und um 55000 Pfund erleichtert worden sei. Und schließlich entsteht eine abstruse Wette, geboren aus Langeweile und pedantischer Überheblichkeit: Phileas Fogg wettet, dass er in achtzig Tagen um die Welt reisen könne. Um keine Zeit zu verlieren, nimmt er nur einen Koffer Geld, seine treue Kammerzofe Mrs. Potts (Aurora Reutter) und seinen neuen französischen Diener Passepartout mit.

Zwischenzeitlich sind wegen des Bankraubes der überaus scharfsinnige Chief Inspector Fix (Clemens Raach) und sein Sergeant Looney (Kolja Veit) aufgetaucht, um die Ermittlungen aufzunehmen. Da die Beschreibung des Bankräubers exakt auf Fogg passt, nehmen die Scotland-Yard Polizisten mehr oder weniger unauffällig die Verfolgung auf. Und hier beginnt die eigentliche Handlung, die abenteuerliche Weltreise mit vielen komischen Aspekten. Der Weg führt zunächst von Suez über Bombay nach Indien. Hier rettet der steife Mr. Fogg auf einem Plastikelefanten die indische Prinzessin Aouda (Stella Rubrech) vor dem Verbrennungstod, die sich sogleich in ihn verliebt. Eine Situation, mit der Fogg so gar nicht umgehen kann! Kaum einem indischen Gerichtsverfahren entkommen, geht es mit dem Schiff weiter nach Hongkong und von da aus mit einem Heißluftballon nach Yokohama. Die völlig durchgeknallten Ballonfahrerinnen Melli und Elly Pickwick (Stella Rubrech und Aurora Reutter) sorgen mit ihrem Auftritt und Beinah-Absturz für viel Gelächter im Publikum. In den Staaten wird es dann in einem verruchten Saloon für die Reisegesellschaft ungemütlich, bis Inspector Fix auf den genialen Einfall kommt, den milliardenschweren Amerikaner James Stenton (Stella Rubrech) – ein Schelm, der hier an Donald Trump denkt! – von der Gefährlichkeit seines Gegenübers Fogg alias „das Monster mit dem Regenschirm“ zu überzeugen, so dass er nunmehr freiwillig seinen Privatzug zur Weiterfahrt zur Verfügung stellt.  Hier wie auch in anderen Szenen versteht es das Tanztheaterensemble (Hanne Sander, Charlotte Bühler, Jule Pröllochs, Leonie Conrad, Eva Feuchter, Jule Frey und Lena Häfner) mit der passenden Musik, Choreographie und Kostümierung das entsprechende Ambiente zu schaffen, die Handlung zu illustrieren oder vorzubereiten. Das Gesangssolo „Skyfall“ (Jule Frey) vor dem krachenden Ballonabsturz sowie die zu The Beautiful Briny Sea „getanzte“ Überseefahrt seien besonders erwähnt. Mangelt es der Inszenierung nicht an theatralischen Tricks, so kommt zum Schluss der überraschendste Effekt: Die Rückkehr der Reisenden wird durch einen Videofilm eingespielt, gedreht in schwarz-weiß auf dem Schulgelände des Schulzentrums West. Tolle Idee!

Die weit über zwei Stunden dauernde Aufführung mit über zwanzig bunten und abwechslungsreichen Szenen bot bis zum Schluss kurzweilige Unterhaltung. Und den Akteuren, die gleich in mehrere Rollen schlüpfen mussten, hat sie eine Menge abverlangt. Dabei fiel besonders die schauspielerische Leistung von Simon Sander auf, der mit französischem Akzent in Gestik, Mimik und Sprache den Diener Passepartout einfach hervorragend komisch verkörperte.  Auf weiblicher Seite war es Aurora Reutter, die in den unterschiedlichen Rollen der Mrs. Potts und Elly Pickwick überzeugte.

Klaus Hirschmann

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