Erstmals seit über 20 Jahren hat sich ein Schüler des Erasmus-Widmann-Gymnasium am alljährlich stattfindenden Landeswettbewerb Alte Sprachen der Stiftung Humanismus heute beworben und – in der ersten Runde den ersten Platz errungen, die Teilnahme an einer interdisziplinären Akademiewoche des Kultusministeriums. Finn Heinemann, Schüler der Kursstufe 1, hat zu dem Thema Alles Schicksal? Zum fatum bei Vergil und Seneca (Vergil, Aeneis 1, 257-296; Seneca, Ep. mor. 107,7-12) eine zehnseitige Hausarbeit nach wissenschaftlichen Standards verfasst. Er hat die beiden lateinischen Textstellen sehr eingehend interpretiert und ist zu dem Schluss gekommen, dass der Begriff des fatum vor dem philosophischen Hintergrund der Stoa bei beiden Autoren Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede aufweist. Seine Herangehensweise, seine Ausdrucksfähigkeit sowie sein eigenständiges Urteilsvermögen gehen deutlich über das Schülerniveau der gymnasialen Oberstufe hinaus. Nach eigener Aussage habe ihn bei der Erstellung der Hausarbeit besonders die vertiefende Recherche und eine möglichst eigenständige Argumentation gereizt.
Finns Begeisterung für das Fach Latein ist zunächst aus seinem historischen Interesse allgemein, dann auch speziell für das Altertum erwachsen. Der Gedanke der Universalität des Menschen, der vor 2500 Jahren dieselben Fragen gestellt hat wie heute, habe ihn fasziniert und zur Einsicht gebracht, dass man durch den Rückgriff auf die Antike sehr viel über das aktuelle Geschehen lernen könne. Und durch etwas mehr Selbstreflexion das eigene Sein nicht immer so wichtig nehmen müsse. Diesen klugen Gedanken muss man nichts mehr hinzufügen.
In der zweiten Runde dieses Wettbewerbs wird Finn am 13. Mai 2026 eine sechsstündige Klausur schreiben, in der es um einen literarischen Vergleich zweier lateinischer Text und einen Übersetzungsteil gehen wird.
Die Schulgemeinschaft des EWG wünscht ihm zu seinem Vorhaben, möglichst auch in die dritte Runde des Wettbewerbs zu kommen, viel Erfolg. Dem Sieger winkt schließlich ein Studienplatz der Studienstiftung des deutschen Volkes.
Klaus Hirschmann
