Er studierte Jura und Musik parallel. Er hält zwei Weltrekorde in der Leichtathletik. Er gewann bei „Jugend musiziert“ mit voller Punktzahl. Und heute ist er nicht nur stolzer Vater, sondern auch gefragter Referent.
Und doch bekam Matthias Berg schon viele verletzende Kommentare zu hören – einer war etwa: „Vor 30 Jahren hätte man so Typen wie dich vergast.“
Wieso?
Dieses Multitalent ist gleichzeitig ein Contergan-Geschädigter, man erkennt es an seinen kurzen Armen und den mangelnden Fingern, die aus der Wachstumshemmung durch das Medikament Contergan entstanden.
Wie er trotz dieses Umstands so erfolgreich werden konnte, erzählte Berg in seinem Vortrag „Mach was draus – Expedition zur inneren Kraftquelle“ in der Rede an die Jugend 2026 am 13. Februar, die jährlich von der Bürgerstiftung finanziert wird. Dieses Mal fand sie wieder in der Aula am Schulzentrum West statt, mit den Schülern der Oberstufe des Erasmus-Widmann-Gymnasiums und des Gymnasiums bei St. Michael als Publikum.
Schon als Berg die Bühne betrat, wirkte er sympathisch, und diese Wirkung zog sich durch seinen ganzen, humorvoll und anschaulich gestalteten Vortrag mit Videos, Cartoons, Zitaten und – besonders wichtig – seinen Geschichten.
Eine seiner zentralen Erfahrungen etwa war, als er mit 15 im Zug nach Freiburg saß, wo er Hornunterricht von einem Professor bekam. Normalerweise belastete ihn diese Fahrt, da er sich den Blicken der Mitreisenden ausgesetzt fühlte. Doch bei dieser Fahrt saß ihm eine Frau gegenüber, die ihn ansah, lächelte, und schließlich ein Gespräch begann. Es wurde seine schönste Bahnfahrt jemals.
Daraufhin begann Berg bei den Fahrten, das gleiche zu machen – Leute anzuschauen, zu lächeln und bei Zurücklächeln ein Gespräch zu beginnen – und er stellte fest: „Die Person, auf die Du wartest, die kannst Du selber sein.“
Auch praktische Hilfe gab Berg in seinem Vortrag weiter. Den Tipp seines Lebens z.B. erhielt er von einem Berater, als er Probleme im Jurastudium hatte und vor Stress kaum noch wusste, wohin, weil er ständig alles aufschob: Er solle sich jeden Abend für 10 Minuten hinsetzen und den nächsten Tag planen, mit festen Uhrzeiten und konkreten Aufgaben. Berg hielt sich daran, und es veränderte sein Leben. Das Lernen begann sogar, Spaß zu machen.
Eine dritte Erkenntnis kam von einem Freund, der ihn darauf ansprach, wie schwer es Berg fiel, mit den Blicken anderer Leute zurechtzukommen, und im Besonderen mit dummen Kommentaren wie zu Beginn erwähnt. Er brachte einen Vergleich: Was kratzt es die deutsche Eiche, wenn sich eine Wildsau an ihr reibt? Genau, gar nichts. Mittlerweile tut ihm sogar der Beleidiger leid, da irgendetwas passiert sein muss, damit er so wurde, wie er nun ist. Seine Haltung fasst er so zusammen: „Ich bin in Ordnung, so, wie ich bin.“
Wie ein roter Faden zog sich dabei ein Gedanke durch den gesamten Vortrag – und mündete schließlich in seinem Lebensmotto: „Es kommt nicht darauf an, wo das Schicksal Dich hinstellt, sondern was Du daraus machst.“
„Mach was draus“ – so heißt auch das Buch, das Berg schrieb, als er wegen Netzhautablösungen 5 Jahre weder Sport noch Musik treiben konnte und mehr Zeit hatte als zuvor. Sicher nicht aus Marketinggründen, wie er versichert, heißt auch sein Vortrag so.
Was man an Berg merkt: Er hat Spaß. Dies sagt er auch selbst: Er hat viel zu tun, aber keinen Stress – und er macht keine halben Sachen. Eher doppelte, wenn man an sein zweifaches Studium denkt.
Zum Schluss zeigte er noch einen Kurzfilm von den Paralympics in Rio 2016, der zur weiteren Motivation und Inspiration dienen sollte, wem der Vortrag nicht schon anregend genug war.
Bericht: Evenlin Drechsler, Kl. 12
Foto: Ufuk Arslan, HT – Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Haller Tagblatts (PDF Rede an die Jugend)
