Am 09. Juli stand für die Klassen 8-11 des Erasmus-Widmann-Gymnasiums die Veranstaltung „Demokratie im Gespräch“ auf dem Programm. Organisiert hat dies der „Arbeitskreis Demokratie“ der SMV, insbesondere Leni Trappmann und Jan Scheife. Der AK Demokratie hatte sich mit Flucht und Migration ein kontroverses und emotional aufgeladenes Themenfeld vorgenommen.
Im ersten Teil der Veranstaltung schauten sich die Schülerinnen und Schüler den Dokumentarfilm „Kein Land für Niemand“ von Max Ahrens und Maik Lüdemann an, der die restriktiver gewordene Migrationspolitik in Deutschland und Europa nachzeichnet. Die Doku selbst wurde in der Presselandschaft sehr unterschiedlich bewertet – als „provozierend und bewusst einseitig“ (Evangelischer Pressedienst), aber auch als ein Film, der „knapp zwei Stunden geballte Fakten, Fassungslosigkeit und Einfühlsamkeit“ zeigt (Frankfurter Rundschau).
Studiendirektor Jochen Schmidt betonte in seiner Begrüßungsrede, dass man sich dem Thema in der anschließenden Diskussion sachlich und ausgewogen nähern wolle. Orientierungspunkt solle dabei der Beutelsbacher Konsens sein. Damit persönlichen Fragen und Anliegen ernst genommen werden können, durften Fragen nicht nur aus dem Publikum gestellt, sondern auch schriftlich und anonym eingereicht werden. Schmidt betonte, dass es im demokratischen Streit eine wichtige Richtschnur gibt: Die in unserem Grundgesetz festgeschriebenen Werte müssen auch bei umstrittenen Themen gewahrt bleiben.
Der zweite Teil bestand aus einer Podiumsdiskussion, die von Leni Trappmann und Jan Scheife moderiert wurde. Zu Gast waren Joachim Glaublitz, Referent des Caritasverbands der Diözese Rottenburg-Stuttgart und der vor den Taliban aus Afghanistan geflüchtete Sadiq Zartila, der seit 2015 in Schwäbisch Hall lebt und Co-Vorsitzender des Flüchtlingsrats Baden-Württemberg ist.
Diskutiert wurde unter anderem das Thema Integration. Auf die Frage „Was kann bei Integration helfen?“ antwortete Sadiq Zartila, dass Angebote wie das Sprachcafé oder Austausch mit anderen Betroffenen sehr hilfreich sind. Auch das Schaffen von Begegnungsräumen hilft bei Integration. Ebenfalls wurde das Thema Migrationspolitik diskutiert. Dabei verdeutlichte Joachim Glaublitz, dass Migration nicht die Ursache aller Probleme sei, sondern in mancher Hinsicht sogar zu Lösungen beitragen kann, wie zum Beispiel auf dem Arbeitsmarkt. Kontrovers wurde um Kriminalitätsstatistiken und deren Gründe diskutiert. Die Zeit reichte lange nicht aus, um die vielen eingereichten Fragen umfassend zu erörtern. Jochen Schmidt unterstützte die Moderatoren bei der Sichtung und Schwerpunktsetzung, so dass die häufigsten Anliegen wie etwa zur Rolle der Medien oder der AfD thematisiert werden konnten.
Nach der Diskussion beendete Leni Trappmann die Veranstaltung „Demokratie im Gespräch“ mit den Worten: „Nehmt unsere Demokratie nicht nur als Privileg, sondern auch als Aufgabe!“.
Lina Wenzl (10b)
Fotos: D.Kindl
