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Erasmus-Widmann-Gymnasium, 74523 Schwäbisch Hall
Startseite»Schulleben»Aktuelles»Der Lechner Edi schaut ins Paradies

Der Lechner Edi schaut ins Paradies

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Von Matthias Imkampe am 23. Juni 2026 Aktuelles, Allgemein, Schulgemeinschaft, Schulleben

Nach dem Weltuntergang führte die Oberstufentheater-AG des Erasmus-Widmann-Gymnasiums unter Leitung von Barbara Mühlen mit Der Lechner Edi schaut ins Paradies ein weiteres Stück des österreichischen Autors Jura Soyfer in der Aula auf.

Entstanden 1936 in Wien, ist der Inhalt geprägt von der düsteren Stimmung und den Folgen des ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise. Entsprechend dunkel und trostlos wirkt die leere Bühne zum Auftakt. Vor diesem Hintergrund klagt Edi (Sophia Kopf) seiner Freundin Fritzi (Jenaia Bangert) sein Leid über seine Arbeitslosigkeit. In seine verklärte Sicht auf die Vergangenheit mit Arbeit und Geld mischt sich Empörung und Wut über die vermeintliche Ursache seiner Misere: Den Schuhfabrikautomat „Pepi“, der ihn wegrationalisiert hat. Sein Wunsch, diesem Automaten einmal begegnen und es ihm richtig zeigen zu können, wird augenblicklich erhört. Unter Zischen, Stampfen und mechanischen Geräuschen – wirkungsvoll dargestellt durch das sukzessive Auftreten von Evelin Drechsler, Zoé Setzer, Ella Pflügler und Elif Sen – tritt in roboterartigen Bewegungen Pepi (Johanna Ott) auf. Ausgestattet mit rational-menschlichen Zügen erweist sich der Automat schnell als Leidensgenosse Edis, da auch er in der Arbeitswelt nicht mehr gebraucht wird. Daraus entwickelt sich der verwegene Plan, mit einer Reise in die Vergangenheit vermeintlich ursächliche Entdeckungen verhindern und damit die Gegenwart neu gestalten zu können. Dieses phantastische Unternehmen führt die drei Hauptakteure Edi, Fritzi und Pepi, die fortan omnipräsent auf der Bühne sind, zu unterschiedlichen Entdeckern unterschiedlicher Zeiten: Angefangen von Galvani (Jan Scheife), dem Entdecker der Elektrizität, über Galilei (Jan Scheife) und Kolumbus (Evelin Drechsler) bis zu Gutenberg (Zoé Setzer). Die Bühne wird jeweils mit einem Tisch und Stühlen im Vordergrund durch entsprechende Accessoires und von der Technik (Robert Wutke und Team) projizierte Symbole an die Situation angepasst. Abgerundet wird das Bühnenbild durch selbst gemalte Portraits der Kunstfachschaft (Hedwig Maier und Pia Härder), die den jeweiligen Entdecker und seine Erfindung zeigen.

Der Reiz dieser Reise in die Vergangenheit liegt im Einfallsreichtum der Akteure, wie sie die Entdeckungen durch neuzeitliche Entwicklungen zu verhindern suchen: Galvani lässt von seinen Froschschenkelversuchen augenblicklich ab, sobald er ein knarzendes, sehr lautes Radio hört, oder Galileis Verhandlung wird ad absurdum geführt, weil er vom vorsitzenden Richter (Valerie Hintz) permanent zum Schweigen verdammt wird. Den Höhepunkt bildet hier die Begegnung mit Kolumbus. Zwei amerikanische Touristinnen (Ida Rübenstrunk und Zoé Setzer), begleitet von einer Fremdenführerin (Elif Sen), benehmen sich dermaßen unsäglich – wunderbar gespielt! –, dass Kolumbus sofort die Lust an der Entdeckung des Kontinents verliert. Die kritische Ironie auf das heutige Trump-Amerika wurde zu Recht mit Szenenapplaus goutiert, spätestens mit dieser Szene sprang der Funke auf die Zuschauer über.

In gelungener Variation wird der Rest der Vergangenheitsreise bis ins vorchristliche Griechenland und Ägypten von Edi und Pepi dem Zuschauer erzählt, während auf der Bühne große Rahmen als Bilderrahmen mit echten Figuren gefüllt und wie lebende Gemälde epochaler Gestalten ausgeleuchtet werden. Ein sehr schönes Abschlussbild, das den Zuschauer in die Pause entließ.
Zugleich war damit die Erwartungshaltung geweckt auf den Ausgang des Stückes. Ist es tatsächlich ein kulturpessimistisches Bild menschlicher Entwicklung? Ist der Mensch dazu bestimmt, den technischen Fortschritt nur zu seinem eigenen Verderben und Untergang zu nutzen? Hier zeigt sich deutlich, wie aktuell das fast 100 Jahre alte Bühnenspiel ist.

Edis und Pepis Reise endet schließlich und konsequenterweise an der Himmelspforte, weil sie die Schaffung des Menschen verhindern wollen. Dieses Unterfangen muss natürlich scheitern – trotz aller Bemühungen, den Himmelspförtner (Valerie Hintz) zu überzeugen: Ein Gänsehautmoment, als Edi den Abgesang auf die Menschheit in gebundener Sprache singt. Die Liebe Fritzis zu Edi verhindern das Undenkbare. Der Mensch wird erschaffen und mit neuem Mut ausgestattet, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und verantwortungsvoll mit der technischen Entwicklung umzugehen.

Barbara Mühlen hat mit ihrer Oberstufen-AG wieder einmal ein anspruchsvolles Stück hervorragend inszeniert. Alle Schauspieler, ganz gleich ob Haupt- oder Nebenakteur, füllten ihre Rollen gekonnt und überzeugend, so dass die Zuschauer amüsiert und bereichert den Heimweg antreten konnten.

Klaus Hirschmann

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