Statt eines Schulgottesdienstes in der Lukaskirche

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ACHTUNG: BESINNUNG

Liebe Schülerinnen und Schüler,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

zum allerersten Mal, seit ich 1999 Pfarrer für Religionsunterricht geworden bin, gibt es am letzten Schultag vor den Sommerferien keinen Schulgottesdienst!

Das ist schade, aber leider haben beide Kirchen in der Nähe des Schulzentrums zu wenig Platz, um coronabedingt hinreichend Abstand zu ermöglichen.

Heute beginnen die Sommerferien – nach einem Schuljahr, in dem manches im Wortsinn „verrückt“ war: nicht an seinem gewohnten Ort. Das Erasmus-Widmann-Gymnasium war seit dem 10. März coronabedingt im Ausnahmezustand. Am 17. März begann der landesweite Lockdown. Nach den Osterferien begann für die Kursstufe eingeschränkt Unterricht in den abiturrelevanten Kernfächern und nach den Pfingstferien kamen alle Schüler in der alternierender (abwechselnder) A/B-Sortierung zum Unterricht.

Und nach den Sommerferien soll ein gewisser Regelbetrieb stattfinden.

Wir werden sehen …

Manches ist immer noch ungewohnt: Keine AGs, keine Musik-AGs, keine Theater-AGs, keine Studien- und Klassenfahrten, etliches, was geplant war, konnte nicht stattfinden.

Für die Klassen 5 – 10 gab es seit den Faschingsferien keinen Religionsunterricht.

Reli, Ethik … keine systemrelevanten Unterrichtsfächer. ……… Wirklich?

Katholisch, evangelisch, muslimisch, jüdisch … welcher Glaubensgemeinschaft auch immer Ihr, liebe Schülerinnen und Schüler, angehört, oder ob Ihr Euch für atheistisch – also ohne den Einbezug einer übernatürlichen Macht in Eurem Leben – haltet, es wurde von Euch seit Anfang März viel abverlangt.

So leicht ist es ja nicht mit der intrinsischen Motivation – also der Motivation, die aus Euch selber kommt. Denn unter normalen Bedingungen sorgt Schule für extrinsische Motivation – wir Lehrerinnen und Lehrer bekommen einen Teil unserer Entlohnung dafür, dass wir Euch motivieren, für etwas zu lernen, von dem Ihr nicht wisst, ob und wann Ihr das irgendwann in Eurem Leben mal braucht. Das ist gar nicht mal so schlecht, wenn man noch nicht weiß, wo einen das Leben hinführen wird.

Eltern sind in diesem Spiel der andere Part. Eure Eltern mussten in der coronabedingten digitalen Lernphase die Rolle von uns Lehrerinnen und Lehrer mitübernehmen und nicht wenige haben dadurch auch neuen Respekt für den Beruf des Lehrers / der Lehrerin entdeckt.

Weitestgehend habt Ihr Euch aber gut angestellt und fleißig anhand von online gestellten Aufgaben gelernt.  Der Notendruck war ja auch weg und jede und jeder von Euch ist versetzt in die nächste Klasse.

Wir Relilehrer und –lehrerinnen glauben ja an jene höhere Macht, die wir Gott nennen. Was gibt es am Ende dieses verrückten Schuljahres aus dieser Perspektive zu sagen?

Vielleicht das:

– die vergangenen Monate zeigen, was wirklich wichtig ist im Leben. Nicht Profitmaximierung, nicht Wirtschaft und nicht, dass der Rubel rollt, sondern Begegnung und dass jede und jeder Menschen um sich hat, die wichtig sind, die einen begleiten – ganz gleich, was das Leben bereithält für mein je eigenes in-der-Welt-sein …

– dass es auf mich doch ankommt, was ich für mich und mein Leben erreichen will und nicht auf das, was andere immer sagen …

– dass Schule an sich gar nicht so doof ist, sondern dass man jeden Schultag Gleichgesinnte trifft, die auch nicht immer Lust haben …

– dass das Ganze nur einen Sinn ergibt, wenn es ein Darüberhinaus gibt. Eine Macht, die uns geschaffen hat und liebt und will, dass wir in unserem je eigenen Leben einen Sinn erkennen. Und dass alles Reden von Gott nur Sinn macht, wenn wir auch an unseren Nächsten / an unsere Nächste denken und nicht nur an uns selber.

Vor bald 2000 Jahren kommt der erste christliche Theologe Paulus nach in die Hauptstadt der damaligen Bildung, Athen, und begegnet dort einer religiösen Vielfalt, von der er bis dahin nichts wusste. Die Athener erkennen ihn an seiner Sprache aus „Ausländer“ – sie bezeichnen ihn als „seltsamen Vogel“ und kommen – mehr aus Spaß – mit ihm in ein Gespräch. Paulus ist recht selbstbewusst und erklärt den Athenern, dass seine Botschaft von einem Gott handelt, der die ganze Welt, mit allem, was darin ist, geschaffen hat. Seine Botschaft für die Athener passt auch für den heutigen Beginn der Sommerferien gut:

Apostelgeschichte 17, 25-28:

„Gott ist auch nicht darauf angewiesen, dass wir Menschen ihm dienen. Nicht er ist von uns abhängig, sondern wir von ihm. Er ist es, der uns allen das Leben und die Luft zum Atmen gibt und uns mit allem versorgt, was wir zum Leben brauchen. […] Mit allem, was er tat, wollte er die Menschen dazu bringen, nach ihm zu fragen; er wollte, dass sie – wenn irgend möglich – in Kontakt mit ihm kommen und ihn finden. Er ist ja für keinen von uns in unerreichbarer Ferne. Denn in ihm, dessen Gegenwart alles durchdringt, leben wir, bestehen wir und sind wir.“

Was heißt das? Was auch immer passiert, wir sind von Gott und wir gehen auf ihn zu. Er versorgt uns mit dem, was wir zum Leben brauchen und er ist jedem und jeder von uns viel näher als wir das manchmal denken. Seine Gegenwart durchdringt unsere Gegenwart und ganz besonders macht sich das für Paulus an der Person des Jesus Christus fest, der an der Liebe zu uns Menschen in letzter Konsequenz bis zum Ende am Kreuz durchgehalten hat. Da ist ein Gott, der uns liebt, auch wenn wir noch so viel tun, um uns von ihm fernzuhalten und ihn zu vergessen. Der uns mit offenen Armen empfängt, wenn wir von langen Umwegen zurückkehren und wieder nach ihm fragen …

Ich wünsche Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Kolleginnen und Kollegen, gesegnete Sommerferien, wo auch immer Ihr sie verbringt / Sie sie verbringen … und bleibt gesund, wenn irgend es geht.

Wir sehen uns im September – hoffentlich zu vergleichsweise normalem Schulbetrieb – leider auch noch ohne Gottesdienst und ohne AGs, doch mit der Hoffnung, dass sich das im Verlauf des nächsten Schuljahres auch wieder ändert.

Euer / Ihr

Matthias Imkampe

 

SEGEN

Gott, der Herr,
möge unser Glück und unser Leid,
unsere Trauer und unsere Freude,
mit seiner grenzenlosen Güte begleiten,
uns zum Frieden führen und in ihm halten
uns das Gefühl dafür geben,
dass einer des anderen Last mittrage.
Und nachsichtig möge er mit uns sein,
wenn alles nicht von heute auf morgen geschehen kann,
weil:
Wir sind seine Kinder von ganzem Herzen,
aber oft noch von halbem Verstand.
So segne und behüte Euch, heute und an den Tagen, die kommen werden,
Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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