Was für ein Abend!

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Großartig, was Tobias Hauenstein als Leiter des Stadtorchesters Schwäbisch Hall, Stephanie Zigan mit dem Chor des Erasmus-Widmann-Gymnasiums, Rainer Kindermann mit der Bigband des Gymnasiums und Florian Schellhaas mit der jungen Philharmonie der städtischen Musikschule für die „Hall Night of the Proms“ zuwege gebracht haben!

Ein kleiner Wermutstropfen bei der ansonsten perfekten Abendveranstaltung war, dass aus feuerpolizeilichen Gründen wegen Überfüllung etliche Gäste abgewiesen werden mussten. Kamen doch trotz englisch schlechten Wetters (stürmischer Dauerregen) bei der großen Zahl der Mitwirkenden eine noch viel größere Zahl an Zuhörerinnen und Zuhörer.

Nach Begrüßung durch Schulleiter Ralph Schröder und Grußwort des ersten Bürgermeisters Peter Klink eröffnete das Stadtorchester Schwäbisch Hall mit Philip Sparke und seinem „Portrait of a City“ den musikalischen Reigen des Abends. Tobias Hauenstein versetzte mit großen Melodiebögen die Haller Zuhörer in eine etwas größere Stadt, nämlich London. Gut, da kommt die Idee der Promenadenkonzerte bzw. deren Abschluss ja auch her. Ein symphonisches Portrait verschiedener Beatles-Songs spornte zu einem heiteren Songraten an – ich habe erkannt: Penny Lane, Yellow Submarine, Yesterday, Help, She Loves Me und Hey Jude. Viel Beifall gab es für diesen gelungenen Auftakt, nicht schlimm, dass man eigentlich zwischen den Einzelsätzen eines Stückes nicht klatscht, hier darf man das. Schon die ursprüngliche Idee der Last Night of the Proms will ja auf lockere Weise klassische Musik mit moderner (Pop-)Musik verbinden.

Beeindruckend dann schon allein der Aufmarsch des Großen Chores des Erasmus-Widmann-Gymnasiums: 96 Mädchen und Jungen von Klasse 8 bis 12 betraten die Bühne und wer jetzt dachte, das Niveau wäre nicht ganz so hoch wie zuvor, wurde eines Besseren belehrt: Unter der Leitung von Stephanie Zigan, überzeugte der Chor mit sehr guter Artikulation und Intonation und auch mit sehr professioneller Klavierbegleitung durch die Schüler*innen Laura Böttcher, Sarah Bieder und Nils Recktenwald. Der Chor interpretierte von Andrew Lloyd Webber Sing!, Ralph McTells  Streets of London, Benj Paseks und Justin Pauls A Million Dreams aus dem Musical The Greatest Showman. Solo in diesem Musicalstück trotz ausgesetzter Tonlage sang mit sicherer Stimme Melda Useinov. Abschluss des Chores bildete schließlich Beyond the Sea. Der Applaus wurde nun schon tosender und man gewann als Zuhörer das Gefühl, einem großen Ereignis beizuwohnen. Besonderer Gimmick: Der Chor verließ singend die Bühne. Und: Nach dem ersten Stück erkannte die Chorleiterin, dass sich mit den Sängerinnen und Sängern auch zwei Zuschauer auf die Bühne eingeschmuggelt hatten, die nicht eingelassen worden waren.

Unter der Leitung von Rainer Kindermann betrat die Bigband des Erasmus-Widmann-Gymnasiums die Bühne, die James-Bond-Melodien und drei Beatles-Songs interpretierten. Nele Rößler übernahm die anspruchsvolle Aufgabe, Adeles Part im Song Skyfall zu übernehmen und meisterte es mit Bravour. Spätestens hier mit vielen von Rainer Kindermann im Anschluss an die Songs angesagten Solo-Einlagen der Bigband-Mitglieder wurde deutlich: Hier stecken sich die verschiedenen Ensembles mit ihrer Spielfreude gegenseitig an. Solos kamen von: Jon Vielhaber (Trompete), Paul Limbacher (Tenorsaxophon), Ben Seo – unser Gastschüler aus USA! (Altsaxophon), Jona Steinmeyer (Gitarre), Joa Kindermann (Tenorsaxophon) Entsprechend sprang die Begeisterung auf das Publikum über und es wurde zunehmend heftiger applaudiert. Absolut gerechtfertigt! Der hefig werdende Applaus galt aber eigentlich allen Musikern auf der Bühne – das Publikum wurde gewissermaßen von der Gesamtleistung angesteckt.

Nach der Pause – die Uhr war schon auf 21.35 Uhr vorgerückt – spielte die Junge Philharmonie Schwäbisch Hall unter Florian Schellhaas The Complete Harry Potter, also Melodien aus allen acht Filmen. Danach betrat Jona Steinmeyer die Bühne und schaffte es dem ganzen Orchester mit der Konzertgitarre gegenzuhalten. Großartig, was an Technik und Musikalität hier auf der Gitarre mit der Interpretation etlicher Beatles-Songs zu Gehör gebracht wurde.

Der gemeinsame Abschluß mit Pomp and Circumstance von Edward Elgar mit dem Orchester und dem großen Chor, Vangelis‘ Conquest of Paradise und vielen Melodien aus dem ersten Teil von Herr der Ringe bildeten fast den Abschluss. Geht es noch größer? Ja, es geht: Mit Orchester, Chor UND Bigband und John Miles‘ Music. „Music was my first love … and it would be my last“, bot die perfekte Möglichkeit, die Qualitäten dieser eigentlich zusammengewürfelten Musiktruppe perfekt vorzuführen: Beginnt der Song doch mit einer ruhigen Klavierbegleitung, ruhigen Streichern, besagtem Gesangspart, um dann mit Bläsersatz rockiger zu werden und wieder zur ruhigen Klavier- und Streicherbegleitung zurückzukehren. Wer hat denn gesungen? Nun, jemand, der normalerweise perfekte Trompetenparts beisteuert: Jon Vielhaber. Kann er auch sehr gut.

Eine gute Idee zu haben und in die Tat umgesetzt zu haben, ist der Gewinn des Abends. Wieviel Proben-Arbeit und gemeinsames Üben auch dahintersteckt, dass es ein musikalisches Highlight geworden ist, liegt an der Fähigkeit der beteiligten Musiklehrer*innen und Dirigenten, die Musiker*innen und Sänger*innen zu begeistern.

Die Veranstaltung war ein einmaliges Highlight und doch verlangt, was da gelungen ist, eigentlich eine Fortsetzung. Dann vielleicht an einem Aufführungsort, der mehr Zuhörer*innen fasst? Wenn sich nämlich herumspricht, wie toll die Idee, die britischen Kulturwochen in Schwäbisch Hall mit diesem Projekt abzuschließen, objektiv war, kommen noch mehr Besucher. Organisiert wurden die Kulturwochen von unserer Kulturbeauftragten Ute Christine Berger, die selbstverständlich auch zu den Gästen zählte. Und dass die Technik-AG des EWGs das geschickt in Szene und ins richtige Licht gesetzt hat, darf natürlich auch nicht unerwähnt bleiben.

Chapeau allen Beteiligten für ihr Engagement weit über den persönlichen Dienstauftrag hinaus! Standing ovations und ein Stück Music wurde als Zugabe geboten.

Der begeisterte Rezensent: Matthias Imkampe

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